KINDER
Wenn das Sprechenlernen Mühe bereitet
Woran erkennen Sie, dass Ihr Kind eine mögliche Sprachstörung hat?
- Ihr Kind spricht nicht oder kaum oder verwechselt manchmal die Buchstaben in einem Wort?
- Vielleicht litt Ihr Kind an häufigen Mittelohrentzündungen und das Hören war oder ist beeinträchtigt?
- Hatten Sie Schwierigkeiten beim Stillen und ihr Kind mag nur feine Kost?
- Vielleicht hat Ihr Kind noch etwas Zeit oder es braucht ein wenig Hilfe?
Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt. Dort können Sie eine Verordnung für ein Erstgespräch bekommen und wir können gemeinsam nach Lösungen schauen.
Sprachentwicklung
Die normale Sprachentwicklung
Um den 4. Lebensmonat gibt es die erste sogenannte Lallphase. Das Kind erforscht seinen Mundraum und produziert erste Laute.
In der zweiten Lallphase, ca. um den 9. Lebensmonat, kommt es zu ersten Wiederholungen von gleichen Silbenkombinationen wie zum Beispiel MAMAM, BABA.
Um den 12. Lebensmonat kommt es dann zu den ersten Wortbildungen. Hierbei ist es wichtig, dass das Kind mit dem genannten Wort auch eine Verbindung mit der Person oder dem Gegenstand herstellt. Erst dann ist das Wort auch als Wort zu werten.
Zeigewort: Da
Zwischen dem 18. Lebensmonat und dem 24. Lebensmonat kommt es dann zu den ersten zweisilbigen Wörtern wie: Tasse, Katze
Um den 24. Lebensmonat sollte ein Kind mindestens 50 Wörter sprechen können denn um diese Zeit findet die sogenannte Wortschatzexplosion statt.
Sprachentwicklungstörung
Unser Therapie-Ansatz
In einem Erstgespräch wird zu allererst festgestellt in welchem Bereich Schwierigkeiten bestehen. Hier haben Eltern und Kinder genug Raum um zu erzählen und natürlich auch um mich kennen zu lernen. Besonders wichtig ist mir, dass sich die Familien wohl und gut aufgehoben fühlen.
In den folgenden Therapie- Stunden verbinde ich das Lernen eines Lautes oder eines Wortes etc. oft mit Bewegungsspielen oder gezielten Bewegungen.
Beim Wortschatz ist es sicherlich sehr hilfreich Dinge ( Gegenstände ) zu erlernen wenn man das Zielwort auch anfassen kann. Dazu benutze ich oft eine „Schatzkiste“ ( der Wortschatzsammler von H.-J. Motsch und T. Ullrich) in der lauter Gegenstände liegen die das Kind bei einem Parcour finden oder sich erarbeiten muss. Oft haben die Gegenstände etwas miteinander zu tun. Auch das hilft ungemein um sich das Wort oder die Wörter besser zu merken. Da jedes Kind individuell ist, sind die Wörter (Gegenstände) auch immer unterschiedlich.
Aussprache
Phonetische/ phonologische Störungen
Bei phonologischen Aussprachestörungen kommt es zu Lautauslassungen oder Lautvertauschungen. Es kommt zum Beispiel dazu, dass das Kind die Laute /d/ und /g/ vertauscht und es statt Daumen - Gaumen oder Dose - Gose sagt. Hier zeigt das Kind einen systemischen Prozess und zwar die sogenannte Rückverlagerung. Motorisch sind die Kinder in der Lage den Ziellaut zu artikulieren, oft wissen sie nicht wann sie welchen Laut anwenden sollen.
Bei der phonetischen Aussprachestörung ist die Motorik betroffen. Hier fällt es den Betroffenen schwer die Ziellaute zu bilden. Das für die Laute nötige Bewegungsmuster der Zunge oder der Lippen kann nicht umgesetzt werden. Zum Beispiel ist die Zungenmotorik beim Sigmatismus (Störung der „s“-Laut-Bildung addental/ interdental) nicht ausreichend gestärkt um ein sauberes /s/ zu artikulieren.
Wortschatz
Wortschatz
Kinder die um den 24. Lebensmonat keinen Wortschatz um die 50 verschiedenen Wörter haben und bei denen Hörstörungen, Intelligenzminderungen, tiefgreifende Entwicklungsstörungen ausgeschlossen sind, gehören in die Gruppe der sogenannten LATE TALKER.
Die Ursachen sind unklar. 10-20% aller Zweijährigen gelten als Late Talker und etwa ein Drittel schafft es bis zum 3. Lebensjahr die Sprachentwicklungsverzögerung aufzuholen. Die anderen Kinder zeigen in den folgenden Jahren noch Sprachauffälligkeiten.
Late Talker, also späte Sprecher, benötigen in den meisten Fällen sprachtherapeutische Unterstützung da es oft zu folgenden Spätfolgen kommen kann:
- Wortfindungsstörungen
- Wenig ausdifferenzierter Wortschatz- sehr einfaches Formulieren von Gedanken
- Eingeschränkte Erzählfähigkeit
- Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben
- Erschwerter Erwerb von Fremdsprachen
Satzbau / Grammatik
Störungen des grammatischen Regelsystems
Bei der syntaktisch/ morphologischen Störung sind die Sätze unvollständig und/ oder fehlerhaft. Das Kind hat unter Anderem Schwierigkeiten mit dem Einsetzen der Artikel und dem Bilden des Plurals.
Mehrwortäußerungen fordern morphologische Markierungen wie die des Kasus, der Verbflexion, des Numerus usw. Schwierigkeiten in der Wortbildung bezeichnet man als morphologische Störung.
Schwierigkeiten in der Satzbildung, also steht das Verb am Anfang oder am Ende eines Satzes, bezeichnet man als syntaktische Störung.
Nebensätzen, die Tempusflexion und das Passiv sollte ab dem 5. Lebensjahr überwiegend korrekt angewendet werden.
Wichtig ist, dass es bestimmte Phasen der Entwicklung gibt und damit auch alterstypische Symptome auftreten. Erst durch eine genaue Diagnostik durch die Logopädin kann ermittelt werden, ob sich das Kind im typischen Erwerbsverlauf befindet oder nicht.
Eingeschränkte Erzählfähigkeit
Eingeschränkte Erzählfähigkeit
Um eine Geschichte erzählen zu können der man auch gut folgen kann, bedarf es gute und vollständige Formulierungen, erkennbare inhaltliche Elemente und vor allem einen „roten Faden“. Der Zuhörende muss ohne viel erfragen zu müssen, dem Erzählten gut folgen können.
Oft fällt die eingeschränkte Erzählfähigkeit im Vorschul- und Grundschulalter auf und ist häufig eine späte Form der Sprachentwicklungsstörung.
Myofunktionelle Störung
Myofunktionelle Störung
Bei der Myofunktionellen Störung (MFS) handelt es sich um ein falsch abgespeichertes Bewegungsmuster von Zunge und Lippen beim Schlucken. Die Zunge drückt hier fälschlicherweise nach vorne, gegen die Zähne. Es ähnelt dem infantilen Schluckmuster bei dem die Zunge des Säuglings nach vorne muss um die Brust zu erreichen.
Der Grund ist eine eher hypotone (schwache) orofaziale Muskulatur und kann mit Hilfe der Myofunktionellen Therapie gut behandelt werden.
Quelle: Die Texte erhalten Auszüge aus https://www.dbl-ev.de/fach
